
| Tony Beard ist ein Musiker, dessen
außerordentlich einfühlsames Groove-Feel in den Studioszenen Londons und New Yorks seit
30 Jahren hoch geschätzt wird. Außerdem darf man ihn als Zeitzeugen beschreiben,
schließlich hat er eine 3 Jahrzehnte dauernde Drummer-Ära miterlebt und so manche
Schlagzeugergeneration kommen und gehen sehn. Bereits Anfang der 70er gelangte er in den
Kultkreis um Crosby, Stills & Nash, in den 80ern arbeitete er mit Go West, Chris de
Burgh, Hall & Oates, Mike Oldfield, den Bee Gees u.v.a. 1987 siedelte der Engländer
nach New York um. Hier konnte er seine anderen Talente als Songwriter und Gitarrist unter
Beweis stellen. Seine Credits sind mehr als beachtlich, wenn man sich vergegenwärtigt,
dass er nicht nur mit Weltstars live gearbeitet hat, sondern auch zu jenen Drummern
zählt, die ihre Handschrift auf Millionensellern wie zum Beispiel dem Dirty
Dancing"-Soundtrack hinterlassen haben. Vor diesem Hintergrund trafen einen
überraschend natürlich wirkenden, sehr fröhlichen Menschen, voller Humor und
Zufriedenheit, der das Leben in vollen Zügen genießt und als Drummer der Tourband des
amerikanischen Gitarristen Hiram Bullock gerade Urlaub in Europa" machte. ... meistens sind irgendwelche Studios mein Zuhause. Aber jetzt genieße ich 5 Wochen mit Hiram Bullock eine Europareise und ich werde den Teufel tun nur im Hotel rumzuhängen! Ich geh raus und sehe mir die Städte an. Als Hiram mich fragte, hab ich nicht gezögert, zumal ich ein großer Hendrix-Fan bin. Leider hab ich Hendrix persönlich nie erlebt, aber jetzt hol ich die Gelegenheit nach und spiel Hendrix-Musik. Es tut richtig gut, auf dieser Tour mal nur" Drums zu spielen, denn das ist das, womit ich als Musiker anfing. Und im Moment kann ich all die andere Arbeit im Studio, das Schreiben und Programmieren mal vergessen. Es ist wie Urlaub! Du bist eigentlich nie so richtig als Drummers Drummer in Erscheinung getreten und hast meistens im Hintergrund agiert. Ein Geheimtipp in der Öffentlichkeit, aber ein durchaus gefragter Musiker in der gehobenen Studioszene ... ... mein Anspruch an den Beruf des Musiker ist es nicht nur, einen guten Job abzuliefern, sondern in erster Linie Menschen zufrieden zu stellen. Es geht nicht darum, zu zeigen wer man ist und was man alles drauf hat. Als Studiodrummer ist der Song dein Partner und es liegt an dir, den Song richtig zu erkennen und ihm das zu geben, was er braucht. Auch wenn es nur eine 1/4-Beat-Hi-Hat ist: egal! Ich möchte einen Studiojob mit einem guten Gefühl abschließen, in dem Wissen, das Beste gegeben zu haben. Mit welcher Super-Technik oder Nicht-Technik das Ergebnis zustande gekommen ist, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Worin liegt das Geheimnis, herauszufinden was ein Song braucht? Die Grundlage ist das richtige Hinhören, und ich gehe immer von der einfachen Herangehensweise aus. Überschaubar bleiben! Es simpel angehen! Und dann ganz behutsam Ideen einfließen lassen, anstatt von vornherein schon alles busy zuzuspielen. Mit dem Alter und der Erfahrung vieler Studiojobs habe ich gelernt, dass nur der Song selbst wichtig ist. Um das zu erkennen brauchst du Flexibilität und darfst dich als Studiodrummer nicht vor stilistischen Strömungen verschließen. Daher höre ich mir alle Arten von Musik an. Egal was. Meine Vorlieben lagen früher in der Soul-Musik, ich stand auf Barry White und James Brown, auch auf Hendrix, und war trotzdem allem anderen aufgeschlossen, hörte mir z. B. auch Black Sabbath an. Das hält meine Inspiration für Musik frisch. It keeps my fire going! Die meiste Zeit meines Lebens verbringe ich mit Musik, und ich empfinde mein Leben dadurch als sehr schön und wirklich spannend. Ist es nicht etwas merkwürdig, im Vergleich zu deiner Zusammenarbeit mit vielen Big Names" wie Paul McCartney, Chris de Burgh oder Foreigner, nun mit Hiram Bullock eine beschauliche kleine Clubtour zu spielen, bei der du nicht mal einen Drum-Tech hast? Etwas ungewohnt schon, aber auch große Namen heißen nicht immer gleich Luxus" und Welttournee". Ich hab mich damals halt entschieden Musiker zu werden, und dein persönliches Glück hängt ja auch davon ab, wie aufrichtig, ernst, seriös und wie ehrlich dir selber gegenüber du diesen Beruf ausübst. Auch wenn ich einen kleinen Clubgig spiele, habe ich mein Set in Ordnung, ich stimme es anständig und gebe mir mit allem größte Mühe. Ich leiste mir keinen Durchhänger. Je professioneller du deinen Job machst, desto größer ist die Chance, beständig Arbeit zu haben ... Du hast in deiner Karriere eine große Bandbreite an Methoden von Schallplattenproduktionen in den verschiedenen Zeitabschnitten von den 70er Jahren bis heute erlebt. Was hat sich verändert, und wie arbeitete man damals? Der Reiz früherer Aufnahmemethoden lag darin, dass man als Band aufnahm. Das Playback-Verfahren war nicht populär und man spielte die Songs wirklich live ein und probierte solange, bis der Take stand, der Song also wie aus einem Guss kam. Beim Kontrollhören konzentrierte man sich zwangsläufig auf den Song als gesamtes Produkt. Es war eigentlich die natürlichere Art Musik aufzunehmen. Man hörte der Musik zu. Man spielte den Song fünf bis zehn Mal und dann war es gut, da gabs dann keine Diskussionen über Kleinigkeiten, Nuancen oder leichte Unsauberkeiten, man hörte sich nicht analytisch einzelne Instrumente an. Der Song musste in sich stimmig und schlüssig sein und die Idee der Komposition transportieren. Mit dieser Frische fing man die Magie des Moments ein. Heute nimmt man einzelne Teile auf und baut den Song wie ein Puzzle zusammen. Also hört man sich auch immer nur die einzelnen Spuren oder Instrumente an und nicht den Song. Vieles wird außerdem von programmierten Sequenzen vorgegeben, oder vom Click diktiert, usw. Sicherlich sind moderne Produktionen preisgünstig zu fahren, aber man verliert dabei oft die Seele der Musik ... Du bist seit 30 Jahren ein erfolgreicher Drummer, hast die Jahrzehnte kommen und gehen sehen, ebenso wie viele Drummer-Generationen. Gibt es irgendwo Berührungspunkte und Einflüsse von außen, die dich besonders geprägt haben? Sting sagte einmal, alle Songwriter seien Diebe. Ich meine, das gilt auch für alle Musiker. Wir alle sind immer beeinflusst von dem, was wir hören, und automatisch fließen diese Inspirationen dann in unsere Arbeit mit ein. Davon kann sich niemand wirklich lösen. Was ist für dich Groove? Das Feeling ist wohl immer die tragende Säule des Groove. Wenn ich mir tolle alte Schallplattenaufnahmen anhöre, dann bemerke ich zum Teil kleine Fehler, die Band wird mal langsamer oder mal schneller, aber das ist alles völlig egal, weil das Feeling stimmt. Ein Groove kann das simpelste auf der Welt sein, aber es muss intensiv sein, wie zum Beispiel manche indische Rhythmen oder kraftvolle Brasil-Grooves. Ein Groove hat dann Magie, wenn er deine Seele berührt ... CREDENTIALS Als Songwriter war Tony tätig für u. a. Peter Frampton, Stephen Stills, Daryl Hall, Dave Stewart, Jeff Beck, Kenny Loggins, Steve Perry, Laura Branigan und Crosby, Stills & Nash sowie für den Dirty Dancing"-Soundtrack (u. a. Time Of My Life, Hungry Eyes).
Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 10.2002, erhältlich ab dem 27. 09. 2002 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikgeschäften. © Copyright: Sticks - ein Magazin des MM-Musik-Media-Verlag GmbH0 |